Darf man Anglizismen in Texten benutzen

Anglizismen – darf man sie benutzen?

Anglizismen sind ein heißes Thema, wie ich in Gesprächen immer wieder feststelle. Ist okay, sie einzusetzen, oder ein No-Go? Also: Ist das in Ordnung oder ein Tabu? Du merkst schon, dass sich viele Wörter in die deutsche Sprache eingeschlichen haben, deren Ursprung im Englischen liegt. Wie geht man damit am besten um? Vor allem im beruflichen Umfeld.

Kürzlich habe ich in einem Tweet geschrieben, dass man auf Fachchinesisch und wenig gängige Fremdwörter verzichten sollte, wenn man verstanden werden möchte. Daraufhin kam als Ergänzung: auf Anglizismen auch.

Ja, Anglizismen sind in der Unternehmenskommunikation so eine Sache … Sie machen Texte nicht unbedingt schöner. Auf der anderen Seite kann man sich gegen viele dieser Wörter kaum noch wehren, weil sie so sehr in den alltäglichen Sprachgebrauch übergegangen sind. Handy gehört übrigens nicht dazu. Das gibt es im Englischen gar nicht.

Aber niemand käme heute ernsthaft auf die Idee, Marketing oder E-Mail zu übersetzen. Alleinlebende werden fast ausschließlich als Singles bezeichnet und das versteht auch jeder. Selbst Updates haben sich (Windows lässt grüßen) in jeden Kopf eingebrannt, ebenso wie Headsets.

Man muss nicht alle Anglizismen krampfhaft zurück übersetzen.

Mit dem einen oder anderen können wir alle gut leben. Dadurch löst sich unsere wunderbare Sprache nicht in Wohlgefallen auf. Auch wenn es Menschen geben soll, die das befürchten.

Es gibt auch Anglizismen, für die es inhaltlich keine passende deutsche Übersetzung gibt.

Schon jedes Schulkind lernt, dass Wort-für-Wort-Übersetzungen oft unsinnig sind. Manches muss man im Deutschen langatmig erklären, während der englische Begriff alles in einem Rutsch und auf den Punkt abdeckt – on point, sozusagen.

Mindset ist ein passendes Beispiel. Das Wörterbuch schlägt „Denkweise“ vor. Es deckt aber noch so viel mehr ab: Weltanschauung, Einstellung, Mentalität … Im englischen Mindset stecken einfach erheblich mehr Bedeutungsebenen.

Da ich immer dafür bin, Texte einfach und verständlich zu halten, empfehle ich an dieser Stelle, das englische Wort zu nutzen, wenn inhaltlich mehrere Ebenen gemeint sind. Ein Anglizismus kann also auch nützlich sein.

Wie sieht es mit Anglizismen aus, für die es deutsche Entsprechungen gibt?

Mein Sohn wird vor dem Handball-Training zum Aufwärmen gerufen (Training würde selbstverständlich auch niemand ernsthaft übersetzen). Vor Fernsehshows wiederum gibt es ein Warm-up für die ZuschauerInnen, um sie in die richtige Stimmung zu versetzen, sie aufzuwärmen. Was ist nun besser? Darüber mag ich nicht entscheiden.

Andere Beispiele aus dem Alltag: Sagt man besser Rechner oder doch Computer? Lieber Webpage oder Internetseite? Ich wechsele zwischen beidem hin und her. Mir lag übrigens gerade „ich switche“ auf der Zunge. Auch das nutze ich gelegentlich. Feste Regeln für die Verwendung gibt es nicht.

Im beruflichen Kontext schaue ich, an wen sich mein Text richtet oder mit wem ich spreche.

Daraus ergibt sich häufig von allein eine Tonalität, die mehr oder weniger Anglizismen beinhaltet, wenn es sich um gleichwertige Wörter handelt.

Und dann sind da noch die Anglizismen, die – jetzt wird es bissig – oft von Menschen benutzt werden, die besonders jung und lässig (hip) sein möchten oder ihr Nichtwissen hinter Angliszismen und Floskeln verstecken. Beispiele gefällig? Bitteschön:

  • Ich brauche den Proof of Concept asap. -> Ich brauche die Machbarkeitsstudie so schnell wie möglich.
  • Wir sollten auf die low hangigng fruits und quick wins setzen. -> Wir brauchen einfache, schnelle Erfolge.
  • Wir checken jetzt noch mal das Wording und dann sehen wir zu, dass wir morgen delivern können. -> Wir überprüfen die Tonalität des Textes und geben ihn möglichst morgen ab.

Meistens läuft diese Art der Sprache unter Berater- oder Agentur-Sprech. Kann man machen, muss man aber nicht. Jedenfalls nicht so extrem. Nichtsdestotrotz gibt es immer wieder Situationen, in denen auch ich den einen oder anderen Anglizismus mehr benutze. Es kommt immer auf den Rahmen, den Kontext an.

Wenn Du Dich also über zu viele Anglizismen ärgerst, dann war der Text einfach nicht für Dich bestimmt.

Du warst nicht die Zielgruppe. Und falls doch, dann hat jemand beim Texten seine Hausaufgaben nicht gemacht. Und wenn Du eine Agentur oder einen Dienstleister kennenlernst, der nicht Deine Sprache spricht, dann such weiter. Sonst sind Missverständnisse und Ärger programmiert.

Fazit:

Sprache entwickelt sich. Neue Wörter kommen dazu, alte verschwinden. So geht das seit tausenden von Jahren. Auch der eine oder andere Anglizismus gehört dazu. Wie weit man dabei geht, ist jedem selbst überlassen. Im Unternehmensumfeld muss man einfach immer schauen, welche Wirkung man erzielen möchte bzw. ob man sich selbst angesprochen fühlt.

Wie geht es Dir mit Anglizismen? Stellen sich Dir die Nackenhaare auf oder bist Du dabei ganz entspannt?


Portrait Simone Maader, TExte, Content-Strategie, Content-PlanMoin! Ich bin Simone Maader und ein echtes Nordlicht. Ich schreibe leidenschaftlich gern Texte über das, was meinen Kundinnen und Kunden wichtig ist: ihre Marke, ihre Dienstleistungen, ihre Ideen und ihre Werte.

Da Inhalte einen Rahmen brauchen, erstelle ich auch Content-Strategien und Redaktionspläne / Content-Pläne. Mehr dazu erfährst Du auf meiner Website www.maader.de.

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4 Kommentare

  1. Vielen herzlichen Dank, Simone – für diesen anschaulichen, erfrischenden und gleichzeitig differenzierten Blick in die Welt der Anglizismen.
    Deine Liebe zur (deutschen) Sprache, zum klaren, pointierten, klugen Ausdruck kommt in deinen Zeilen stets zur Geltung. Auch finde ich deine Einstellung sehr gesund – glaub da surfen wir, hach, auf ähnlichen Wellen: nicht alles künstlich zu übersetzen, genau zu schauen, welcher Ausdruck, welche Bedeutung wann Sinn macht, uns dennoch unserer schönen, reichen und ernsten Muttersprache treu zu bleiben.

    Alles Gute, stay true :-),
    deine dich sehr gern lesende
    Carolin

  2. Jaaa, ein gutes Thema.

    Ich stoße mich momentan am Wort mindset. Die Einstellung, Wahrnehmung… ist für meine Artikel über Persönlichkeitsentwicklung manchmal nicht zu umgehen. Als ich es das erste Mal genutzt habe, habe ich einen Link dazu hinterlegt und es übersetzt.

    • Liebe Inge,

      das kann ich gut verstehen. Mindset ist tatsächlich eines dieser komplizierten Wörter. Wie schön, dass Du für Dich die Lösung mit der Übersetzung gefunden hast. Deinen Artikel hätest Du auch verlinken dürfen. ;-)

      Herzliche Grüße
      Simone

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