Lohnt es sich, eine Facebook-Gruppe zu gründen? Was sind die Vorteile oder Nachteile?

Brauche ich eine eigene Facebook-Gruppe?

Update vom 09.02.2018 – Tja, das ist die Frage. Ich bin selbst in einigen Gruppen Mitglied, habe dort wertvolle Kontakte geknüpft und viel gelernt. Was ich nicht wollte, war eine zusätzliche Baustelle, um die ich mich intensiv kümmern muss. Trotzdem habe ich im Sommer 2017 meine eigene Facebook-Gruppe gegründet – und sie nach einem halben Jahr wieder geschlossen. Warum? Das erfährst Du jetzt.

Auf meiner Facebook-Seite – und auf Facebook insgesamt – bin ich sehr aktiv. Über diesen Weg erreichen mich immer wieder Fragen von Lesern, die ich gern beantworte. Was mir dabei sowohl auf meiner Seite als auch auf denen von anderen auffällt: Wenn Diskussionen persönlicher werden oder beruflich ins Detail gehen, sinkt die Interaktion bzw. die Menschen schreiben lieber Privatnachrichten (PN).

Der Grund, den ich dahinter vermute: Eine Facebook-Unternehmensseite ist komplett öffentlich. Alles, was dort geschrieben steht, kann also theoretisch wirklich jeder User von Facebook lesen. Wer will das schon?!

Eine geschlossene Facebook-Gruppe bietet einen erheblich geschützteren Rahmen

Meine Erfahrung ist, dass in den geschlossenen Gruppen deshalb viel mehr Interaktion stattfindet. Dass die Gruppen in Bezug auf das Netzwerken viel besser geeignet sind als die Unternehmensseiten, hat Facebook auch erkannt und Mitte/Ende Juni den ersten „Facebook Communities Summit“ abgehalten. Sogar das Mission Statement wurde auf den verstärkten Gruppen-Gedanken hin angepasst:

„Give people the power to build community and bring the world closer together.”

Den Gruppen und ihren Administratoren hat Facebook auch viel mehr Möglichkeiten eingeräumt. Unter anderem kann man innerhalb von Facebook einzelne Beiträge für Gruppen vorplanen (z. B. wöchentlich wiederkehrende Postings) – was für effizientes Arbeiten wirklich wichtig ist. Und falls sich ein Troll oder Spammer in eine Gruppe „verirrt“, so kann ich ihn problemlos blockieren und seine Postings löschen.

Es gelten feste Regeln – und wer sich nicht daran hält, ist raus

Dass in sozialen Netzwerken der Ton zum Teil sehr rau ist, ist ja bekannt. Wenn Du eine eigene Gruppe aufbaust, hast Du die Kontrolle darüber, wer Mitglied wird und wer nicht. Du stellst Deine eigenen Regeln auf und kannst Verstöße dagegen notfalls mit einem Ausschluss aus der Gruppe ahnden.

Gleichzeitig weißt Du so auch, dass Du eine Community hast, auf die Du Dich verlassen kannst und in der sich die Mitglieder gegenseitig wertschätzen, vertrauen und helfen. Spammer schließt Du oft schon dadurch aus, dass Du vor dem Beitritt zur Gruppe das neue Mitglied ein paar Fragen beantworten lässt. So kannst Du die Mitglieder auch gleich ein wenig besser kennenlernen.

Ich habe es schon oft erlebt, dass durch den Austausch in einer Gruppe viele Prozesse in Gang gebracht werden – allein durch Anregungen von anderen Mitgliedern und den Support der Administratoren.

Der Community-Gedanke in Verbindung mit den neuen Möglichkeiten für Administratoren hatte mich überzeugt, mit meiner Gruppe loszulegen.

Mit den Content Masterminds wollte ich Selbstständige und Unternehmer dabei unterstützen, mit Hilfe von Online-PR und Content-Marketing sichtbarer zu werden. Es ging um Strategien, Tools, Tipps, Impulse, Probleme und Fragen zum Onlinebereich (Website, Blog, Social Media, Podcasts, Videos, …).

Ich hatte ganz wunderbare Menschen in dieser Gruppe und die Diskussionen waren so, wie ich es mir gewünscht hatte.

Allerdings wächst so eine Gruppe nicht von allein und es ist auch immer nur ein Teil der Mitglieder aktiv. Viele lesen einfach nur mit – was okay ist, aber dadurch wird die Community nicht lebendig. Bei meiner traditionellen Auszeit zur Jahresplanung habe ich festgestellt, dass ich deshalb meine Investitionen in Facebook drastisch erhöhen muss. Spätestens mit dem neuen Algorithmus und der schwächelnden organischen Reichweite erfordert Facebook, dass man ggf. mehr Geld für Werbung in die Hand nimmt und vor allem viel Zeit in Seite und Gruppe investiert.

Das war der Punkt, an dem ich mich Ende Januar gefragt habe: Will ich das wirklich? Um eine Hausnummer zu nennen: Für Seite und Gruppe wäre ich künftig pro Woche auf etwa 7 Stunden gekommen – Planung, Produktion und Präsenzzeiten. Das ist mir zu viel für eine Plattform.

In einer Gruppe musst Du als Inhaber sehr präsent sein – vor allem zu Anfang. Der Tag hat aber nur 24 Stunden und außerdem möchte ich mein Business nicht von Facebook abhängig machen. Meine Zugpferde sind mein Blog und der Newsletter – und mit etwas Abstand Twitter. Deshalb habe ich – schweren Herzens, das gebe ich zu – meine Gruppe wieder geschlossen bzw. archviert.

Wann lohnt sich eine Gruppe trotzdem?

Wenn Du einen Großteil Deiner Umsätze über Facebook machst, weil Du Deine Zielgruppe dort am leichtesten erreichst, ist eine eigene Gruppe empfehlenswert. Alles, was Du an Zeit und Geld einsetzt, sollte schließlich auch wieder zurückkommen (Return on Investment, ROI).

Wovor ich warne: das Business ausschließlich auf Facebook aufzubauen. Die Risiken sind nicht gerade klein.

Das Unternehmen steht oft in Sachen Datenschutz in der Schusslinie der (europäischen) Politik, es löscht Profile und ganze Gruppen oder sperrt Seiten ohne Vorwarnung. Dafür mag es berechtigte Gründe geben. Fakt ist: Es ist nicht unsere eigene Plattform. Wird sind dort zu Gast und die Regeln machen andere.

Finde also besser noch mindestens einen zweiten Kanal, der Deine Arbeit massiv unterstützt. Das können der Newsletter, ein Blog oder ein Podcast sein. Oder: Wer auf Video-Content setzt und zusätzlich einen YouTube-Kanal betreibt, hat so eine starke Kombination gefunden.

Wenn Facebook aber nicht einen so großen Teil Deines Marketing-Mixes ausmacht, dann beschränke Dich darauf, Deine Seite zu pflegen und mit Deinem Expertenwissen stattdessen in den Gruppen von anderen aktiv zu sein. Das ist jedenfalls der Weg, den ich in Zukuft wieder gehen werde.

Und wie sieht es bei Dir aus? Hinterlass mir gerne einen Kommentar, wie Du das Thema Facebook-Gruppen angehst.

2 Kommentare

  1. Hallo Simone,
    den Artikel finde ich hsehr interessant, denn er trifft einen Nerv bei mir.
    Schon seit einiger Zeit geht es auf meiner FB-Unternehmensseite nicht wirklich voran und die Aktivität lässt zu wünschen übrig.
    Allerdings bin ich nicht im Coaching oder Ähnlichem aktiv, sondern mit einem Onlineshop für ein erklärungsbedürftiges Produkt. Da fehlt mir noch etwas die Phantasie (nur stumpf die Blogposts will ich da auch nicht raushauen) aber ganz klar auch die Zeit.
    Es gibt also Für und Wider – noch bin ich unentschlossen…
    Beste Grüße
    Oli

    • Hallo Oli,

      danke für Deinen Kommentar. Dass Du ein erklärungsbedürftiges Produkt hast, spricht aus meiner Sicht durchaus FÜR eine Gruppe. Dort hast Du viel mehr Möglichkeiten, mit deinen Followern ins Gespräch zu kommen, Vertrauen aufzubauen und Dich als Experte zu positionieren.

      Nun kenne ich Dein Produkt nicht, aber überleg Dir a) was Deine Kunden oder Follower im Zusammenhang mit Deinem Produkt bewegt und b) welche Ziele Du mit einer Gruppe erreichen möchtest. Wenn Du darüber Klarheit hast, machst Du Dir einen Plan für die Inhalte, mit denen Du Dein Ziel erreichen und Deine Follower begeistern kannst. Der zeitliche Aufwand ist nicht zu unterschätzen, aber er kann sich absolut lohnen.

      Herzliche Grüße
      Simone

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