Titelbild Blog - lohnt sich Facebook noch?

Lohnt sich das Posten auf Facebook ohne organische Reichweite?

Was für ein Getöse schon seit Wochen: Facebook experimentiert mit den Feeds und schrumpft die organische (also die unbezahlte) Reichweite von Unternehmensseiten angeblich Richtung null. Ist es also überhaupt noch sinnvoll, dort zu posten, wenn man sowieso niemanden erreicht?

Es überrascht mich nicht wirklich, dass Facebook mit Unternehmens-Seiten Geld verdienen will und die organische Reichweite vermutlich weiter herunterfahren wird. Unendlich viele Daten, Rechenzentren, Mitarbeiter – das alles muss finanziert werden.

Davon abgesehen: Print, Radio, Fernsehen … verschenkt da irgendjemand Werbeplätze? Facebook ist nicht gemeinnützig, sondern ein Unternehmen, das Umsatz machen will – und zwar nicht zu knapp.

Vielmehr hat mich der Aufschrei überrascht, den erste Tests in diese Richtung hervorgerufen haben.

Dieser Artikel auf Allfacebook hat in meiner Timeline für ordentlichen Wirbel gesorgt. Es geht darum, wie Facebook in Zukunft den Newsfeed verändert und ob wir eventuell in der Timeline nur noch Postings von Freunden und Werbung sehen werden. Der Rest (also Inhalte von Unternehmensseiten) verschwindet womöglich in einem oder mehreren anderen Feeds.

Ob das der Mehrheit der Nutzer gefällt, ist die Frage. Ich fände die Trennung der Feeds ganz gut, weil dann meine Timeline übersichtlicher wäre. Aber letztlich haben wir alle, die wir Facebook nutzen, darauf keinen Einfluss. Facebook bietet die Plattform und bestimmt die Spielregeln. Eine Ergebnis davon soll für Unternehmen angeblich sein:

An Werbung führt kaum ein Weg vorbei, wenn Du auf Facebook eine hohe Reichweite erzielen willst.

Ich habe daran erhebliche Zweifel. Zum einen gibt es nur eine begrenzte Zahl von Werbeplätzen. Ich gehe davon aus, dass die Anzeigen in Zukunft richtig teuer werden, wenn man wirklich eine hohe Reichweite erzielen will. Angebot – Nachfrage …

Zum anderen muss man sich anschauen, für was hier Werbung geschaltet wird: Es geht fast ausschließlich um Produkte, Kurse, Webinare, Challenges, Freebies und so weiter. Diese Posts sind im klassischen Content-Sinn weder unterhaltsam noch informativ, geschweige denn „social“.

Damit widerspricht Werbung auf Facebook in fast allen Fällen komplett dem Wesen der sozialen Netzwerke.

Ich stelle die kühne These auf, dass User relativ bald keine Lust mehr auf die wachsende Zahl von Anzeigen in der Timeline haben werden. „Mach Facebook zu Deinem Facebook“, schallt es mir ständig entgegen. Und was macht man dann? Genau: Anzeigen wegklicken.

Eigentlich clever: Erst nimmt man den Seiten die organische Reichweite weg und lässt sie stattdessen teuer für Werbeplätze bezahlen, die dann aber von den Nutzern weggeklickt werden können. Schließlich wird Facebook nicht müde, zu betonen, dass alles immer nur für die Nutzer gemacht wird.

Ans Herz legen möchte ich Dir in diesem Zusammenhang zum einen den Seitenfeed. In dem findest Du alle News der Seiten, die Du mal gelikt hast. Was Dir in der Timeline nicht angezeigt wird, findest Du ziemlich sicher dort. Ich schaue in den Seitenfeed inzwischen ganz gezielt.

Zum anderen ist da der Entdecker-Feed. Hier werden Dir besonders erfolgreiche Posts von Seiten vorgeschlagen, deren Fan Du noch nicht bist. Ich habe die kleine rote Entdecker-Feed-Rakete in meiner Favoriten-Leiste schon seit mehreren Monaten. Und sobald Du den Entdecker-Feed hast, klick alles weg, was Dir nicht gefällt. Es hat keine Woche gedauert, da wusste der Algorithmus, mit welchen Inhalten man mir eine Freude machen kann. Ich habe dort schon echte Schätze gehoben!

Update vom 03.04.2018 – Nach einer mehrmoatigen Testphase hat Facebook den Entdecker-Feed offenbar wieder komplett abgeschafft. Schade eigentlich, aber so ist das: Facebooks Plattform, Facebooks Regeln. Bei meiner Empfehlung, gezielt den Seiten-Feed aufzurufen, bleibe ich aber. Dort kannst Du mit all den Seiten interagieren, die Dir wichtig sind, deren Inhalte aber in der Timeline untergegangen sind oder erst gar nicht angezeigt wurden.

Aber was machst Du nun ganz grundsätzlich mit all diesen Erkenntnissen und mit der unklaren Zukunft der Reichweite? Was bedeutet das für Dich und Dein Business?

Ich empfehle Dir drei Dinge:

  1. Pfleg Deine eigenen Kanäle, um nicht von Social-Media-Plattformen abhängig zu sein.
  2. Setz auf Inhalte, die auf Deine Zielgruppe zugeschnitten und relevant sind.
  3. Überleg Dir, wie viel Geld Du für Reichweite auf Facebook auszugeben bereit bist.

 

  1. Pfleg Deine eigenen Kanäle

Facebook macht die Regeln und wenn Du Facebook nutzt, akzeptierst Du sie. Möchtest Du die Fäden selbst in der Hand haben, dann geht das nur dort, wo Dein digitales Zuhause ist, also z. B. auf Deiner Website oder in Deinem Blog. Das hat einen wichtigen Nebeneffekt: Du befasst Dich automatisch mehr mit Dir und dem Kern Deines Unternehmens. Wofür stehst Du? Was sind Deine Werte? Wie möchtest Du wahrgenommen werden? Diese Dinge sind elementar und entscheiden langfristig über Deinen Erfolg.

Der Dreh- und Angelpunkt der Unternehmenskommunikation sind nicht soziale Netzwerke. Sie sind bloß Verbreitungswege. #SocialMedia Klick um zu Tweeten

Ich will Social Media gar nicht kaputtreden. Ich liebe meine Netzwerke, aber ich bin nicht verloren, wenn von heute auf morgen Facebook für Unternehmen nicht mehr bezahlbar oder aus rechtlichen Gründen einfach abgeschaltet ist. Es gibt einen fast genau vier Jahre alten und wirklich immer noch lesenswerten Artikel von Mirko Lange zum Thema Social-Media-Kanäle. Ein Zitat daraus lautet: „Content muss sich nach der Unternehmens-Story richten, nicht nach dem Kanal.“ Damit komme ich auch direkt zu Punkt zwei.

  1. Setz auf strategisch ausgewählte Inhalte

Ich warne davor, immer nur auf große Zahlen zu schielen. Entscheidend ist, welche Business-Ziele Du in einem Netzwerk verfolgst und wie Du diese Ziele erreichen kannst. In aller Regel macht Klasse das Rennen auch hier vor Masse.

Wichtig ist ja nicht, dass Du besonders viele Menschen ansprichst, sondern dass es die sind, die sich wirklich für Deine Arbeit interessieren. Mach Dir mal den Spaß und schau Dir bei diversen Seiten das Verhältnis von Fan-Zahlen und Interaktionen an … Eine große Reichweite gerantiert Dir keine großen Umsätze.

Gib deshalb immer 100 Prozent, auch für 20 Newsletter-Abonnenten oder 100 Blog-Leser. Für eine Sichtbarkeit, von der Dein Business langfristig profitiert, brauchst Du tolle Inhalte und einen langen Atem. Und ich rede nicht von drei Monaten, sondern eher von ein bis zwei Jahren.

 

  1. Überleg Dir, wie groß Dein Werbebudget sein soll

Bezahlte Reichweite (mit Werbeanzeigen) ist längst an der Tagesordnung. Es geht natürlich auch ohne, aber dann dauert es im Zweifel länger, bis Du wahrgenommen wirst. Werbung ist derzeit eine Abkürzung, nicht mehr und nicht weniger.

Ich habe für meine Facebook-Seite noch nicht einen einzigen Cent in Werbung investiert und bislang komme ich damit gut klar. Meine Reichweite ist übrigens in den vergangenen Wochen und Monaten nicht eingebrochen. Und langsames Wachstum ist für mich kein Problem.

Möchtest Du aber Werbung schalten, mach Dir klar, dass das nicht „einfach mal so“ geht. Wenn Du Erfolge sehen willst, brauchst Du entweder viel Zeit, um Dich in das Thema einzuarbeiten oder Du nimmst zusätzliches Geld in die Hand und bezahlst einen Profi. So oder so: Werbung kostet und wer es falsch angeht, der verbrennt sein Geld obendrein auch noch damit.

Überleg Dir also ganz konkret, wie viel Geld Du auf diesem Gebiet investieren möchtest und schau Dir unbedingt den talkabout „Story Circle 2.0“ an.

Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, Deine Botschaft zu verbreiten. Facebook-Anzeigen sind nur eine davon.

Ich bin sicher, dass sich hochwertiger Content bei Facebook auf lange Sicht auch ohne Werbung durchsetzen wird.

Newsletter Texte und Content-Strategie Simone Maader Kommunikation

7 Kommentare

  1. Liebe Simone,

    vielen Dank für diesen Beitrag, denn in ihm steckt so viel Wahres. Zum einen darf man wirklich nicht in eine Hysterie verfallen, sondern muss sich darauf besinnen, was Facebook eigentlich ist.
    Es war all die Jahre vielleicht so schön einfach, brav täglich seine hübschen Beiträge zu posten. Aber das ist eben nicht alles auf Facebook-Seiten. Social Media ohne Social funktioniert nicht dauerhaft. Ich denke, der Schlüssel für diese „Probleme“ liegt wirklich in der Kommunikation. Hier muss ein Umdenken stattfinden.

    Wir werden also alle weiterhin unsere Seiten pflegen müssen, um mit den Beiträgen eine solide Kommunikationsgrundlage zu schaffen. Richtig wichtig wird dann die 1:1-Kommunikation mit den eigenen Fans und auf anderen Seiten und in Gruppen.

    Wer selber nicht interagiert und kommuniziert, kann nicht erwarten, dass andere es tun. Und nur Reichweite ohne Interaktion bringt fast immer kaum bis gar keine Conversion.

    Also, mein Plädoyer: Kommuniziert mehr! Mehr Likes, mehr Kommentare, mehr Interaktion und Kommunikation!

    Viele liebe Grüße
    Daniela

    • Liebe Daniela,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich stimme Deinem Plädoyer absolut zu: Wir brauchen mehr Austausch und mehr „social“ bei Facebook. Sich aktiv einzubringen, ist sicherlich mit Aufwand verbunden, aber der lohnt sich. In sozialen Netzwerken entsteht Conversion erst durch Kommunikation. :-)

      Viele Grüße
      Simone

    • Liebe Daniela,

      erstmal entschuldige ich mich für die späte Antwort. Das kommt davon, wenn man jeden Kommentar händisch freischaltet. ;-)
      Und was Deinen ausführlichen Kommentar betrifft: Ich kann Dir in allen Punkten nur zustimmen. Die 1:1-Kommunikation mit den Followern ist einfach unschlagbar.

      Herzliche Grüße
      Simone

  2. Liebe Simone,
    danke für diesen tollen Beitrag und deine wichtigen Infos. Seiten-Feed und Entdecker-Feed kannte ich noch nicht. Das macht die Sache für die User echt entspannter und auch wertvoller.
    Liebe Grüße, Gabriele

    • Liebe Gabriele,

      herzlichen Dank für Dein tolles Feedback. Dass der Seiten-Feed und der Entdecker-Feed noch so unbekannt sind, war mir tatsächlich gar nicht bewusst. Ich werde bei Facebook in Zukunft wohl häufiger auf diese Möglichkeiten bei Facebook hinweisen, denn diese beiden Feeds machen FB wirklich wieder wert- und sinnvoller. :-)

      Viele Grüße
      Simone

  3. Liebe Simone,

    ich bin „in Sachen Facebook“ noch unbedarft und nutze es lediglich, um zu kommunizieren, mich auszutauschen, bislang gar nicht, um für meinen Blog zu werben. Daher bin ich sehr weit davon entfernt, Geld für Reichweite bei facebook auszugeben. Bestärkt hat mich dein Ansatz, meine eigene Seite sprich meinen Blog zu pflegen, hier den Fokus zu haben.
    Darüber hinaus hat mich dein Impuls inspiriert, auch für eine nicht allzu große Abonnentenzahl wirklich alles zu geben und genau hinzuschauen, um was es mir geht, wen ich erreichen möchte. Ich merke zum Beispiel, dass es mir gelingt, in meinem Lebenskunst-Blog auch über Dinge zu schreiben, über die ich sonst selten bis gar nicht lese: die Tiefen & Abgründe des Lebens, Tabuisiertes wie Schatten, unliebsame Eigenschaften, radikale Ehrlichkeit, Tod. Und da möchte ich gerne auf Resonanz stoßen, Menschen anstecken.

    Herzlichst, Carolin

    • Liebe Carolin,

      es ist schön, zu hören, dass der Text Dir so viele positive Impulse gegeben hat. Ich glaube, es ist sehr wichtig, auf das eigene Gefühl zu vertrauen und den Mut zu haben, den eigenen Weg zu gehen. Die ausgetretenen Pfade der anderen wirken nur auf den ersten Blick leichter zu gehen. Insofern: Wenn Du Dir selbst treu bleibst, wirst Du mit Deinem Blog genau die passenden Menschen erreichen – auch ohne Werbung auf Facebook. Facebook ist ja auch nicht die einzige Möglichkeit, sichtbar zu werden. ;-)

      Liebe Grüße
      Simone

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