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Privatsphäre und Social Media – schließt sich das aus?

Alle sagen immer, man soll authentisch sein und Persönlichkeit zeigen. Aber ich möchte meine Privatsphäre schützen und Privates soll privat bleiben. Geht es Dir mit Social Media genauso? Geschäftliche Kontakte im privaten Facebook-Profil, Urlaubsfotos auf Instagram … Musst Du Dich diesem Trend anpassen, um online sichtbar zu sein?

Meine Antwort ist ein eindeutiges Jein. Ich glaube nämlich, dass an diesem Punkt immer noch ein großes Missverständnis in Bezug auf Social Media besteht. Viele – und dazu hab ich auch gehört – verwechseln Privatsphäre und Persönlichkeit. Aber das sind einfach zwei unterschiedliche Dinge.

Bei der Privatsphäre geht es darum, vor allem persönliche Daten vor dem Zugriff Dritter zu schützen.

Hier streng zu sein, halte ich für richtig und wichtig. Darauf kann man nicht oft genug hinweisen, finde ich. Es ist ganz simpel: Wenn im Netz etwas kostenlos ist, bezahlst Du es mit Deinen Daten. Es also geht darum, in sozialen Netzwerken (und auch den Netzwerken selbst) nur sehr sorgsam ausgewählte Informationen zugänglich zu machen. Wenn Du etwas von Deiner Persönlichkeit preisgibst, muss das aber noch lange nichts Privates sein.

Was genau heißt das jetzt für Dich als Solopreneur?

Eine allgemeingültige Antwort darauf gibt es nicht, aber ich versuche mal, es zu beschreiben. Ich lade zum Beispiel kein Foto von meinem Frühstück auf meine Facebook-Unternehmensseite hoch. So wirklich spektakulär ist das nämlich nicht.

Wenn Du aber Foodblogger bist oder Ernährungsberatung anbietest, sieht das schon wieder ganz anders aus. Dann kannst Du Dein Frühstück mit dem passenden Rezept oder Tipp garnieren. Ist das nun sehr privat? Eher nein, wenn Du nicht gleich noch die halbe Familie und die Wohnungseinrichtung auf dem Foto hast.

Urlaubsfotos gibt es von mir eher selten zu sehen – und wenn, dann mit zeitlichem Versatz, also erst, wenn ich wieder zurück bin. Wenn Du aber Reiseblogger bist oder ein Reisebüro betreibst, ist es für Deine Follower bestimmt spannend, zu sehen, wo Du Deinen Urlaub verbringst – insbesondere, wenn Du das Ganze mit tollen Tipps untermalst. Und: Landschaft reicht völlig aus. Deine Familie musst Du nicht ablichten, auch nicht unbedingt Dich selbst. Wie wäre es (statt des Bikinifotos) mit Füßen im Sand oder so etwas?

Stell Dir vor, Du unterhältst Dich mit einem Kollegen an der Kaffeemaschine oder plauderst auf einem Netzwerktreffen. Da klappst Du ja auch nicht gleich das ganze Familienalbum auf, bloß weil Du authentisch sein willst. Der Bezugspunkt ist immer das Geschäftliche.

Im Smalltalk will ich herausfinden, ob mein Gesprächspartner auf derselben Wellenlänge liegt, ob wir einen ähnlichen Humor haben oder was uns sonst so verbindet.

Erst, wenn der Umgang erheblich vertrauter ist, werden die Themen privater oder einzelne Facebook-Freunde werden von der geschäftlichen in die private Liste verschoben. Und selbst dabei darfst Du sehr selektiv sein.

Ich möchte mit Menschen arbeiten, die ich mag, denen ich vertraue. Meinen Geschäftspartnern und meinen Kunden geht es ganz genauso. Wer mich nicht mag oder meinen Fähigkeiten misstraut, wird auch nicht mit mir arbeiten wollen – und das ist völlig okay so!

Ich muss nicht jedem gefallen und Du auch nicht – ganz im Gegenteil. Sei Du selbst, vernetz Dich online und offline mit Menschen, die zu Dir (und Deinem Business) passen. So findest Du neue Geschäftspartner, Kooperationen und letztlich auch neue Kunden.

Dass dabei Deine Privatsphäre gewahrt bleibt, hast Du selbst in der Hand. Facebook zum Beispiel bietet Dir die Möglichkeit, sämtliche Freunde in die eben erwähnten Listen aufzuteilen und jeweils festzulegen, wer was sehen kann.

Wenn es an die Postings geht, überleg Dir genau, mit welchen Inhalten Du Vertrauen erweckst, wie Du kompetent wirkst. Du gehst auf ein Netzwerk-Treffen? Klasse, dann mach das zum Thema. Du hast ein Problem gelöst? Dann lass Deine Follower daran teilhaben.

Natürlich darfst Du auch Lustiges posten oder ein Musikvideo oder ähnliches. Das sind die Dinge, die Dich greifbarer machen.

Welche Wirkung hat das auf meine Follower? Diese Frage entscheidet über Deine Veröffentlichungen. Klick um zu Tweeten

Was in Sachen Persönlichkeit übrigens sehr förderlich ist, ist eine eigene Meinung. ;-) Wenn Du beispielsweise auf Twitter etwas teilst (also einen Tweet retweetest), schreib auch mal ein paar Worte dazu. Du lobst („sehr lesenswert“ oder „dem kann ich nur zustimmen“) oder Du bist kritisch und nutzt das, um mit Deinen Followern in einen Austausch zu kommen („Diese Meinung teile ich nicht – wie siehst Du das?“).

Zum Abschluss habe ich noch einen Tipp, eine kleine Hilfestellung für Dich. Du kennst sicher die großen Plakatwände an den Autobahnen. Alles, was ich dort ruhigen Gewissens aufhängen würde, darf ins Netz.

Du siehst, man kann Persönliches preisgeben, ohne dabei die Privatsphäre aufzugeben. Wie sind Deine Erfahrungen mit diesem Thema? Ist das etwas, das Dich umtreibt und Deinen Umgang mit Social Media noch beeinträchtigt? Hinterlass mir gerne einen Kommentar zu diesem Thema.

Newsletter Texte und Content-Strategie Simone Maader Kommunikation orange

2 Kommentare

  1. Liebe Simone,
    ich danke dir für diesen wertvollen, differenzierten, hilfreichen Artikel!
    Die Unterscheidungen, die du triffst, finde ich äußerst stimmig – je nach Kontext und Intention zu differenzieren, wann, wo und in welcher Form der jeweilige Beitrag Sinn macht. Dieses Thema – was ist privat, was persönlich, was wiederum zu privat – beschäftigt mich auch sehr. So schreibe ich z. B. in meinem Blog und auch für das Online-magazin compassioner Texte mit sehr persönlicher Note. Ich glaube, das liegt mir und ist auch meins: Mich zu öffnen und andere mit meinem So-Sein, auch mit meinem Mut, hinter Fassaden zu blicken, anzustecken. Auch schreibe ich gern über gesellschaftliche Tabus, in der Kommunikation beispielweise. Doch zu sehr ins Detail gehen möchte ich hier auch nicht – dann, wenn es andere und ihr sehr Privates betrifft. Da sind für mich Grenzen, und diese spüre ich auch in Form eines körperlichen Unbehagens. Bei Facebook teile ich gern Erkenntnisse, auch sehr persönliche, oder gute Beiträge anderer. Und dies auch nicht zu gehäuft, sondern gezielt, auf den Punkt gebracht – dann, wenn es für mich Sinn macht (und u. U. auch auf eine Autobahn-Plakatwand dürfte;-).
    Herzliche Grüße sendet
    Carolin

    • Liebe Carolin,

      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und die Einblicke, wie Du mit diesem Thema umgehst. Ich denke, Du hast wirklich einen guten Weg gefunden, in die Tiefe zu gehen und zu berühren, ohne dass es für eine Seite unangenehm wird. Gerade wenn andere Menschen betroffen sind, ist es so wichtig, ein Gefühl für die Grenzen zu besitzen. Dir gelingt das – sowohl im Blog, als auch in sozialen Netzwerken – sehr gut. Das bewundere ich und wünsche Dir, dass Du Dir diese Feinfühligkeit bewahren kannst!

      Herzliche Grüße aus Hamburg
      Simone

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