Erklärvideos erstellen, darauf kommt es an. Blogartikel, Interview mit Petra Perry

Was sind Erklärvideos und warum profitieren Unternehmen von ihnen?

Erklärvideos helfen Unternehmen dabei, komplexe Themen leicht verständlich, in kürzester Zeit und unterhaltsam zu vermitteln. Was das Besondere an Erklärfilmen ist, für wen sie sich eignen und worauf man achten sollte, darüber habe ich mit Expertin Petra Perry gesprochen. Sie ist die Gründerin von Clevervideo.de. 

Simone Maader: Liebe Petra, für alle, die sich damit noch nicht intensiver beschäftigt haben: Was sind Erklärvideos? Und welche Arten gibt es?

Petra Perry: Erklärvideos sind ganz kurze Filme, die ein bestimmtes Thema einfach und anschaulich erklären. Das kann ein Produkt sein, aber auch eine Dienstleistung oder ein abstrakter Prozess. Normalerweise wird mit Hilfe einer Geschichte erklärt. Es gibt diverse Arten von Erklärvideos. Ich nenne jetzt mal die drei wichtigsten:

  • Whiteboard ist sehr bekannt und beliebt. Es erweckt den Anschein, dass es im Moment des Ansehens gezeichnet wird.
  • Beim Format Legetrick werden die Zeichnungen von Hand ins Bild geschoben. Manche sehen aus wie ein Comic und können sogar einen extra für den Kunden angefertigten Style haben.
  • Und beim Screencast zeigt man einen Bildschirm, auf dem etwas erklärt wird, zum Beispiel wie man eine Software anwendet oder eine App bedient.

Im Prinzip kann heute jedes Unternehmen schon mit dem Smartphone tolle Filme drehen. Welche Vorteile haben Erklärvideos gegenüber solchen „normalen“ Videos?

Erklärvideos können Produkte darstellen, die es noch gar nicht gibt. Sie können Dinge zeigen, die man mit bloßem Auge nicht sehen kann und an unbegrenzten Orten spielen (beispielsweise auf dem Mond), ohne hierfür in ein großes Produktionsbudget zu investieren. Es bedarf keiner Schauspieler, keines Studios, keiner Drehgenehmigung, keiner Filmcrew und vom Wetter oder ähnlichem sind wir auch unabhängig.

Auf der anderen Seite ist der Anspruch an Erklärvideos höher. Alles muss perfekt sein. Bei einem realen Film würden Fehler wie ein Versprecher als authentisch durchgehen. Das ist beim Erklärfilm ein No-Go.

Für welche Branchen eignen sich Erklärvideos aus Deiner Sicht besonders?

Was die Branchen angeht, sind die Einsatzmöglichkeiten unbegrenzt. Ganz besonders praktisch sind sie natürlich für erklärungsbedürftige Produkte und Dienstleistungen und für Schulungen. Aus Sicht der Kunden oder für Laien ist vieles erklärungsbedürftig, was für ein Unternehmen und seine Mitarbeitenden ganz normal ist. Storytelling funktioniert bei Bewegtbild einfach besonders gut und verankert die Botschaften besser.

Ja, das stimmt. Visuell vermittelte Informationen bleiben im Gehirn besser hängen, als nur Text allein. Was mich als Texterin und Content-Strategin in dem Zusammenhang interessiert: Worauf sollte man beim Text eines Erklärvideos achten? Gibt es in diesem Bereich Fallstricke?

Ja, definitiv. Auf jeden Fall sollte das Unternehmen (oder die Filmproduktionsfirma) einen professionellen Sprecher engagieren. Semiprofessionelle Sprachaufnahmen ruinieren den Gesamteindruck des Videos. Die Texte müssen leicht verständlich und möglichst kurz sein. Nur mal im Vergleich zu geschriebenen Texten: Beim Erklärvideo kann man pro Film-Minute ungefähr 100 Wörter einkalkulieren. Das ist also wirklich sehr kurz und knackig.

Für einen Messauftritt empfehle ich außerdem immer, Untertitel einzubauen, aber auch für ein Video, das vermutlich in einem Großraumbüro oder unterwegs in der Bahn angesehen wird. Ganz einfach deshalb, weil diese Filme entweder vorübergehend ohne Ton auskommen müssen oder die Geräuschkulisse zu groß ist.

Gibt es auch Richtwerte für die passende Länge? Wie sind dazu Deine Erfahrungswerte?

Das hängt in erster Linie davon ab, wo das Video eingesetzt werden soll. Ich habe gute Erfahrungen mit Videos von einer bis zwei Minuten Länge gemacht. Erklärvideos für Facebook dürfen gerne etwas kürzer sein, in etwa 45 bis maximal 60 Sekunden. Bei Schulungsvideos produzieren wir aber auch Filme zwischen drei und 15 Minuten Länge.

Oh, eine so große Bandbreite hatte ich gar nicht vermutet. Welche weiteren wichtigen Tipps oder Fachinfos kannst Du Unternehmen geben, die mit dem Gedanken spielen, Erklärvideos zu erstellen?

Ich empfehle Unternehmen, als erstes das Ziel des Videos festzulegen. Wir haben wenig Zeit und kaum Text zur Verfügung, da muss ein Video auf den Punkt genau für ein bestimmtes Ziel und die entsprechende Zielgruppe produziert sein. Wenn das Unternehmen mehrere Ziele verfolgt, dann rate ich zu mehreren Videos.

Wichtig finde ich auch, ein Werbebudget einzuplanen, wenn das Video nicht nur auf der renommierten Firmenwebsite, sondern auch auf anderen großen Websites, auf Social-Media-Kanälen oder vielleicht sogar im Fernsehen als Werbung eingesetzt werden soll. Einen professionellen Sprecher zu engagieren, hatte ich ja bereits erwähnt.

Und wenn man Inhouse keine Experten für das Thema Erklärvideo hat, kann ich nur raten, sich von einem Freelancer oder einer Agentur unterstützen zu lassen. Ein gut gemachtes Erklärvideo bleibt im Kopf der Zuschauer hängen – ein schlechtes leider auch. Dann hat man nicht nur Geld verbrannt, sondern womöglich auch noch einen Imageschaden.

Liebe Petra, vielen Dank für diese Einblicke in die Arbeit mit Erklärvideos! Wer mehr über Dich und Erklärfilme wissen möchte, liest jetzt einfach noch ein paar Zeilen weiter.


Blogartikel, Erklärvideos produzieren, Interview mit Videoproduzentin Petra PerryPetra Perry ist die Gründerin von Clevervideo.de und produziert seit 2016 Erklärfilme für Selbstständige und Unternehmen aus dem Mittelstand. Sie hat Multimedia studiert und viele Jahre als Produktmanagerin gearbeitet. Petra ist davon überzeugt, dass für Unternehmen kein Weg an Videos vorbeiführt. Ihr erreicht sie über ihre Website sowie auf Xing, LinkedIn und Facebook.

2 Kommentare

  1. Hallo Simone,
    Du hast mich mal wieder schlauer gemacht. Ich hatte vor dem Lesen des Artikels keine Ahnung und jetzt schon. Danke!
    Herzliche Grüße Inge

    • Liebe Inge,

      das freut mich! Wobei ich den Dank gerne an Petra Perry weiterleite. :-)
      In diesem Interview und bei der Vorbereitung habe ich auch eine Menge gelernt.

      Herzliche Grüße
      Simone

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