Titelbild Interview - Werbeartikel und Offline-Marketing, ist das noch zeitgemäß

Wie sinnvoll ist heute noch Offline-Marketing?

Gefühlt spielt sich das Marketing von Unternehmen und Selbstständigen nur noch im Internet ab. Braucht man in Zeiten von Website und Social Media noch Offline-Marketing und damit Produkte wie Visitenkarten, Flyer oder Werbeartikel? Eine, die es wissen muss, ist Hilke Barenthien, Expertin für selbstgemachte Werbung. Viel Vergnügen mit diesem Interview.

Simone Maader: Liebe Hilke, alle Welt ist heute – zumindest in meiner Filterblase – mit Online-Marketing beschäftigt. Welche Möglichkeiten hat man denn noch mit Offline-Marketing? Kann es etwas, das dem Online-Bereich fehlt?

Hilke Barenthien: Meine Filterblase sieht da nicht viel anders aus. Ich bewege mich viel online und auch meine Kunden sind da viel unterwegs. Doch wir beide sind nicht alle. Klingt komisch, aber es soll Menschen geben, die nicht wissen, was dieses „Social Media“ eigentlich ist oder wozu man ein Smartphone braucht.

Es gibt immer wieder Gerüchte und auch Tests, dass sich online die Preise in ähnlicher Weise ändern, wie an einer Tankstelle. Hohe Nachfrage führt zu einem hohen Preis. Das ist ein Punkt, den Print-Werbung der Online-Werbung voraus hat. Ein Angebot lässt sich nicht mehr einfach ändern. Es steht inkl. seines Preises und seiner Bestandteile (und schlauerweise einem Datum bis wann es gilt) auf einem Stück Papier. Dieses Vertrauen schafft man online nicht.

Klingt absolut einleuchtend. Mit welchen Print-Produkten erreiche ich meine Zielgruppe denn am besten?

Wie bei allem ist es immer eine Frage, wer die Zielgruppe ist und wo Du sie findest. Klassische Visitenkarten sind für alle sinnvoll. Sie vereinfachen einfach die Weitergabe von Kontaktdaten ungemein. Wenn Du nicht ständig auf Messen rumspringst, reicht eine kleine Auflage völlig aus.

Clever platziert sind Flyer immer eine gute Idee. Hier musst Du allerdings sichergehen, dass Du aus der Reihe fällst. Meistens gibt es nur Aufsteller für Flyer im Standardformat. Damit entfällt das Auffallen durch ein ungewöhnliches Format. Bleiben die Gestaltung, der Text und das Material, die dann umso mehr ins Gewicht fallen. Postkarten werden auch gerne mitgenommen und landen dann am heimischen Kühlschrank oder werden tatsächlich verschickt.

Eine gute Sache sind auch Magnet-Visitenkarten. Dieses Format haben wir vor zwei Jahren aus der Not heraus entwickelt. Uns wurden immer die Schilder vom Auto geklaut. Und tatsächlich, sie werden immer noch gerne mitgenommen. Allerdings verzeichne ich auch steigende Zugriffzahlen auf der Website, wenn die Magnet-Visitenkarten am Auto sind oder besser waren.

Und wie sieht es mit Karten aus?

Zu Anlässen wie jetzt an Weihnachten, zu Ostern oder zu Geburtstagen sind Karten immer ein Weg, Wertschätzung zu zeigen und sich mal wieder in Erinnerung zu bringen. Mein erster Chef hat seinen Kunden gerne Karten aus dem Urlaub geschickt. Fanden manche Kunden witzig, seine Frau nicht. Sich vor oder nach dem Sommerloch noch mal in Erinnerung zu bringen, kann trotzdem eine gute Idee sein.

Handgeschriebene Karten finde ich toll! Die schreibe ich super gerne und freue mich auch immer sehr, wenn mir jemand eine Karte schickt. Aber wenn wir noch mal auf klassische Werbung schauen: Taugen Give-aways noch etwas?

Definitiv. Bei aller Liebe zum papierlosen Büro, einen Zettel und einen Stift hat man immer rumfliegen. Wenn nicht auf dem Schreibtisch, dann in der Handtasche. Kerzen oder einen Grill kann man auch nicht digital anzünden und Getränke sollten sich schlauerweise in einem Gefäß befinden. Um nur ein paar Beispiele von Give-aways zu nennen, die man täglich in die Hand nimmt und die relativ günstig in kleineren Auflagen zu bedrucken sind.

Ja stimmt, das Leben ist eben doch sehr offline. :-) Worauf sollten denn Selbstständige, aber auch KMU achten, wenn sie Aktivitäten im Offline-Marketing planen? Wie wähle ich zum Beispiel die passenden Dienstleister für mein Projekt aus? Kann ich entspannt bei den großen Online-Anbietern bestellen oder nehme ich lieber die lokale Druckerei um die Ecke?

Ein großes Thema … Das ist davon abhängig, was Du willst und wie viel Ahnung Du hast. Manche Sachen findet man schlicht auch nur online, weil es einfach nur wenige Druckereien gibt, die sie produzieren. Das gilt zum Beispiel für die meisten Give-aways.

Hier sind allerdings die Anforderungen an die Daten meist sehr speziell und es macht Sinn, jemanden zu fragen, der sich auskennt und ihn die Daten erstellen zu lassen. Mich zum Beispiel. Das ist zwar im ersten Moment teuer, spart aber Nerven – wenn man mühsam selbst versucht, die passenden Daten zu erstellen und es spart Ärger, wenn man es dann geschafft hat, aber die Sachen zum Beispiel in der falschen Farbe kommen.

Wenn man Produkte wie Flyer und Visitenkarten in der Standardausführung haben möchte, sind Online-Druckereien meist gut und günstig.

Soll es etwas Besonders sein geht nichts über die Druckerei um die Ecke.

Die sind zwar meist etwas teurer, haben aber ein geheimes Papierlager und viel besseren Service. Sie denken mit, sehen Deine Daten und sagen Dir, wenn ihnen noch was auffällt. Kleiner Tipp von mir: So wie wir uns viel online bewegen, sind Drucker meist sehr offline. Was einfach am Beruf liegt. Die Maschinen sind zwar alle irgendwie auch Computer, empfangen aber keine Mails. Das Schlauste ist es, dort anzurufen oder einfach vorbeizugehen.

Liebe Hilke, vielen Dank für Deine wertvollen Tipps und Denkanstöße. Mein 2019 kann bestimmt auch ein kleines bisschen mehr Offline-Marketing mit entsprechenden Produkten vertragen.


Hilke Barenthien Werbung, Social Media - Interview mit Simone Maader, Text und Content-StrategieHilke Barenthien hilft Unternehmenden, ihre Werbung selbst zu realisieren. Sie erklärt ihnen, was zu beachten ist und wie man technische Anforderungen möglichst einfach richtig löst. Und sie springt ein, wenn Zeit und/oder Energie knapp sind, übernimmt Projekte und bringt sie zu Ende.

Als Expertin für Printwerbung und Social Media Managerin sieht sie sich als Vermittlerin zwischen beiden Welten. Willst Du mehr über sie wissen? Dann besuch ihre Website: www.hilkebarenthien.de.

Foto – Hanja Litzba

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