So geht SEO (Suchmaschinenoptimierung) heute

Wer bei Google nicht gefunden wird, den gibt es nicht. Diese Aussage ist sicher etwas überspitzt, aber ein Business ohne Sichtbarkeit in Suchmaschinen hat ein großes Problem. Expertin für das Thema SEO ist Nadine Staps von Netzapplaus, und mit ihr habe ich darüber gesprochen, worauf Unternehmen achten sollten. 

Liebe Nadine, wenn Unternehmen bei Dir anrufen und möchten, dass Du sie bei Google in die Top3 bringst, was sagst Du ihnen?

Nadine Staps: Ich frage sie, was sie so besonders macht, dass sie dort hingehören. :-) Wenn mich jemand tatsächlich einzig und allein mit dem Wunsch kontaktiert, unter einem bestimmten Suchbegriff auf den ersten Plätzen zu stehen, dann muss dieser Wunsch erst einmal hinterfragt werden.

Warum und mit welchen Inhalten will man dort stehen und was erhofft man sich dadurch? Meist ist der Grund ein ganz anderer: dem Wettbewerb ein Schnippchen schlagen, mehr Kunden und Verkäufe generieren, mehr Sichtbarkeit, eine Leserschaft aufbauen usw.

Bevor ich also über Platzierungen von spezifischen Suchbegriffen spreche, die in dieser Form gar keinen echten Wert mehr haben, muss sich der Unternehmer zwangsläufig etwas öffnen.

Sich zu öffnen und Ziele abseits der Platzierung zu hinterfragen ist für viele vermutlich ungewohnt. Was ist aus Deiner Sicht der größte Fehler, den Unternehmen in Sachen SEO machen?

Dazu möchte ich eine kleine Geschichte erzählen. Schon als Kind starben mir meine Kakteen am Fenster und meine Mutter nahm mir jedes Mal besorgt die Gießkanne aus der Hand, wenn ich im Blumenbeet mein Unwesen treiben wollte. So war ich bis Ende zwanzig der felsenfesten Überzeugung, dass Pflanzen bei mir niemals gedeihen würden, weil ich eben keinen “grünen Daumen” hätte.

Als mir mein Mann dann letzte Weihnachten einen Weihnachtsstern inklusive Pflegeanleitung schenkte und ich mich wirklich Schritt für Schritt daran gehalten habe, war das wie eine Erleuchtung. ;-) Ich hatte mich einfach nie so intensiv damit beschäftigt, weil ich von vornherein davon ausging, dass ich es nicht könnte.

Genau denselben Fehler machen Unternehmen mit SEO: Sie gehen davon aus, dass es für sie nicht funktioniert, weil sie es entweder bisher gar nicht oder nur halbherzig eingesetzt haben.

Meine Annäherung an dieses Thema lief seinerzeit über die Keyword-Recherche. Hast Du Tipps, wie ich passende Keywords am besten identifizieren kann? Geht das nur mit den teuren Anbietern oder gibt es auch Tools, die nichts kosten?

Das beste kostenlose Tool zur Recherche von Suchbegriffen ist der Google Keyword Planner, der aus meiner Sicht noch immer das Sinnvollste ist, weil wir in Deutschland nun mal fast ausschließlich mit der Suchmaschine Google arbeiten und demnach auch auf diese optimieren.

Seit einiger Zeit gibt der uns zwar keine genauen Zahlen mehr zu den Suchbegriffen aus, wenn wir nicht Geld in Google Adwords investieren, aber das ist auch nicht unbedingt notwendig.
Viel wichtiger bei der Recherche von geeigneten Suchbegriffen ist es, herauszufinden, was die Suchenden überhaupt in den Suchschlitz tippen, um eine Lösung für ihr Problem oder dergleichen zu finden.

Dafür reicht der Keyword Planner aus. Für fortgeschrittene SEO-Begeisterte empfehle ich den kostenlosen KWFinder, der auf eine begrenzte Menge an Suchanfragen pro Tag limitiert ist, aber dafür sehr gute Ergebnisse sowie Ideen liefert.

Wie sieht es eigentlich mit Linkbuilding aus? Hat das aus Deiner Sicht noch einen hohen Stellenwert?

Oh ja! Unbedingt! Allerdings haben die letzten Google-Updates den Linkbuilding-Spammern einen schönen Strich durch die Rechnung gemacht, weswegen viele nun der Meinung sind, Linkbuilding sei per se etwas Schlechtes und generell verboten.

Immer noch ist es so, dass Links einen sehr hohen Stellenwert einnehmen, wenn es um die Ermittlung eines Suchmaschinenrankings geht. Durch Links kann ermittelt werden, wie populär eine Webseite ist und demnach auch, wie viel Vertrauen andere Webseiteninhaber dem jeweiligen Inhalt entgegenbringen. Umso höher dieses Vertrauen, desto besser auch das Ranking.

Das beste Linkbuilding ist demnach (und da sind sich die guten Suchmaschinenoptimierer weltweit einig), individuellen und vor allem relevanten Content für die Zielgruppe zu produzieren.

Weil den aber im Zweifelsfall auch dann kein Mensch findet, wenn er ein Mittel gegen Krebs beinhaltet, sind Maßnahmen wie das Posten auf Social-Media-Kanälen, geeignete Blogkommentare schreiben oder auch das gezielte Teilen mit anderen Bloggern oder Webseitenbetreibern, vollkommen okay und auch wichtig.

Ich sage meinen Kunden sehr häufig, dass sie nicht zu viel auf die Mitbewerber schauen und sich auf ihre Stärken konzentrieren sollen. Nichtsdestotrotz ist eine Konkurrenzanalyse natürlich wichtig. Worauf sollte man in Bezug auf SEO und SEA dabei achten?

Im Prinzip stimme ich dir da zu. Wenn man seine eigene Nische und sein Alleinstellungsmerkmal gefunden hat, hat man eigentlich keine direkte Konkurrenz in dem Sinne. Dennoch konkurriert man weiterhin beispielsweise in den Suchergebnissen mit anderen Webseiten.

Ich beispielsweise bin spezialisiert auf die Kombination von SEO und Conversion Optimierung, was mich im Zusammenspiel mit meiner Persönlichkeit unverwechselbar macht. Trotzdem konkurriere ich zwangsläufig mit Firmen, die SEO oder Conversion Optimierung anbieten, weil das eben die Begriffe sind, unter denen man auch meine Leistung findet.

Gerade als Anfänger sind Konkurrenten aber auch sehr gut für das eigene Geschäft. Sie zeigen dir nämlich, dass deine Businessidee wirklich Erfolg haben kann, wenn andere Unternehmen sie bereits erfolgreich umsetzen. Und du kannst durch eine gezielte Konkurrenzanalyse herausfinden, welche Inhalte, welche Ansprache, welche Designs etc. deine Zielgruppe mag, du hast nämlich deinen Wettbewerb vor Augen und kannst diese Dinge bei ihm “abgucken”.

Das stimmt. Inspiration ist immer gut. Wir zwei könnten theoretisch überall auf der Welt arbeiten. Aber viele Unternehmen sind lokal tätig und haben auch nicht die Wahl. Gibt es Maßnahmen, die für lokale Unternehmen besonders wichtig und erfolgversprechend sind?

Wir könnten, aber mal Hand aufs Herz, ich will gar nicht mit Laptop auf dem Schoß am Strand sitzen. Ich hätte nach zwei Minuten eine Sandburg in der Tastatur. ;-)

An sich gelten aber alle Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung auch für lokale Unternehmen. Was mir allerdings immer wieder auffällt, ist, dass besonders die Kleinunternehmer es regelmäßig verpassen, auf ihren Webseiten hervorzuheben, wo sie eigentlich aufzufinden sind.

Wenn ich als Zahnarzt in Hamburg eine Webseite habe und nirgendwo erwähne, dass ich in Hamburg tätig bin – dann findet mich da auch niemand. Ganz einfach.

Deswegen rate ich jedem lokalen Unternehmen, einen besonderen Bezug zu seinem Standort herzustellen. Sei es durch das explizite Wiederholen des Standortes oder durch eine Verlinkung auf regionalen Portalen. Das sehe ich als die wichtigste Maßnahme.

Ein guter Hinweis. Regionale Online-Portale sind also immer noch wichtig. Wenn wir zum Thema SEO jetzt einen Ausblick auf 2018 wagen: Was bleibt, was geht, was gewinnt aus Deiner Sicht an Bedeutung?

In den kommenden Monaten und auch Jahren werden wir definitiv immer mehr Webseiten sehen, die von den obersten Plätzen abstürzen, weil sie in der Vergangenheit mehr Wert auf schlechte SEO-Maßnahmen gesetzt haben, als auf echten und guten Content.

Meiner Ansicht nach wird sich der Trend außerdem weiter von “Suchbegriff” entfernen und mit steigender Nutzung der Sprachsuche, zu “Suchthemen” entwickeln. Schon jetzt ist es so, dass ein einzelner Begriff kaum noch eine Bedeutung hat, weil er die Suchintention des Interessenten nicht widerspiegeln kann.

Wer aber mit dem Internet aufwächst und die Potenziale des Webs kennt, so wie die Generation, die wir heute als Digital Natives bezeichnen, der sucht nicht mehr stupide nach “Blumentopf Erde Sonnenblume” sondern sucht nach ganzen Sätzen oder betätigt gleich die Sprachsuche.

Google ist heute bereits so intelligent, dass es den Zusammenhang zwischen Synonymen herstellen und auch die Intention hinter Füllwörtern wie welche, wer, wo oder wie erkennen kann.

Ich gehe also stark davon aus, dass wir Ende 2018 noch weniger mit einzelnen Begriffen in der Suchmaschinenoptimierung arbeiten werden, sondern vermehrt mit Phrasen hantieren. Schlussfolgernd wird die Qualität der Webseiten an den obersten Positionen der Suchmaschinen auch stetig besser werden.

Liebe Nadine, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen und meinen Lesern so viele Tipps rund um das Thema SEO gegeben hast.

Wer mehr über Netzapplaus, SEO und Conversion Optimierung wissen möchte, kann sich hier informieren: https://www.netzapplaus.de/ oder ihr direkt eine E-Mail an hallo@netzapplaus.de schicken.

Außerdem hat Nadine eine tolle Infografik zum Thema Konkurrenzanalyse erstellt, die Du Dir hier ansehen kannst.

Nadine Staps_Netzapplaus Interview SEONadine Staps stellt mit ihrem Team bei Netzapplaus sicher, dass nicht nur viele Besucher auf eine Webseite kommen, sondern, dass es auch die richtigen sind. Sie sorgt dafür, dass ihre Kunden sich im Netz so präsentieren, dass Website-Besucher nicht abgeschreckt, sondern angezogen werden. Damit bringt sie ihren Kunden nicht nur einen enorm hohen ROI, sondern auch eine ganz neue Positionierung.

Bildnachweis: Foto Krause, Lübeck – http://www.foto-krause.com/

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